Der 22-jährige Arno dachte, er hätte im Chat einen tollen Fang gemacht - bis es zur Begegnung im realen Leben kam. Es fängt aber alles ganz zuckersüß an: Seit Monaten habe ich schon mit ihm gechattet - für mich ein Rekord, da ich eigentlich eher schüchtern bin und mich diese ganzen Typen, die oberflächlich nur das Eine suchen, auch ziemlich auf die Nerven gehen. Eigentlich wollte ich mich mit Marco schon länger mal auf einen Kaffee treffen. Da er aber im Wuppertal wohnte und ich in Köln, haben wir es nie geschafft. Ich arbeitete in einem Restaurant lange Überstunden - und hatte zudem kein Auto, weil ich es sowieso nie brauchte. Und 60 Kilometer sind für einen Jungen, der noch bei seinen Eltern wohnt, auch nicht gerade mal so mit dem Fahrrad zu bewältigen.
Schließlich hat er mich aber wiederholt eingeladen, so dass ich irgendwann einfach nicht Nein sagen konnte. Ich bin sehr stolz darauf, wie sehr dieser Schnuckel an mir interessiert ist. Meinen Mitbewohner habe ich schon richtig neidisch gemacht. Marco hat mir ja viele süße Bilder geschickt. Und dann erst unsere Diskussionen über Massagetechniken - der hat echt was drauf.
So kommt es, dass ich zum ersten Mal für ein Date die Domstadt verlasse. An meinem freien Samstag fährt meine gute Freundin Birgit glücklicherweise gerade nach Wuppertal. In einem abgelegenen Vorort setzt sie mich ab. Schickes kleines Häuschen, in dem mein Kleiner wohnt. Ich verabschiede mich von Birgit, obwohl sie gerne auch einen Blick auf den kleinen Marco geworfen hätte.
Dann klingle ich: Nach einer guten halben Minute öffnet mir endlich jemand - allerdings ein älterer Herr mit Hornbrille, Halbglatze und einem dicken Bauch, der aus einem viel zu kurzen Hemd heraushängt. Marcos Opi ist zu Besuch? Ich frage nach meinem Schatz. Der Alte druckst herum - schließlich kommt kleinlaut heraus: "Ich bin Marco". Für mich ist das erst mal ein Schock. Der "reale" Marco bittet mich herein, falls das wirklich sein Name ist, um "die Situation zu erklären". Ich stolpere mehr in das rustikal eingerichtete Foyer, als ich gehe. Meine Beine sind noch nie so schlabberig gewesen. Der Typ fängt an, ganz leise davon zu reden, dass Alter doch nichts ausmacht. Dann sagt er: "Du kannst ja zur Not auch die Augen zumachen, wenn wir Sex haben." Das ist mir dann doch zu viel. "Das ist ja wohl eine Sauerei", schreie ich. "Du hättest ja wenigstens etwas weniger lügen können." Der Mann ist 73 Jahre alt. Ich stürme aus dem Haus heraus. Birgit ist leider schon weg.