Das Datingportal "Gayromeo" war für den 23-jährigen Thomas eine Quelle der Eifersucht. Eines Abends erzählte mir mein Freund beim Abendessen, relativ beiläufig, dass er sich ein Profil bei gayromeo eingerichtet hat. Ich bräuchte mir jedoch keine Sorgen zu machen, er wisse, was er an mir habe, wolle sich nur ein wenig unterhalten und suche keinen Sex. Eifersüchtig war ich trotzdem, vor allem weil er seitdem viele Abende hinter dem Rechner verbrachte, statt beispielsweise mit mir fernzusehen.
So legte ich ein paar Wochen später selbst ein fiktives gayromeo-Profil an, um meinen Freund zu testen. Ich kannte ja seinen Männergeschmack, und so erfand ich den großen, schlanken "Marc25" mit Dreitagebart und der Vorliebe für klassische Musik. Ein passendes Foto kopierte ich von einem schwulen US-Portal.
Beim Durchstöbern der Profile unserer Stadt fand ich schnell meinen Freund, und so tickerte ich ihn an. „Hi, nettes Profil“. Seine Antwort kam am nächsten Tag: „Danke, du auch!“ Offensichtlich musste ich ihn mehr aus der Reserve locken. „Wollen wir uns nicht mal treffen?“, schrieb ich als "Marc25". Seine Antwort: „Das kommt darauf an, was Du willst. Sexdates suche ich nicht, ich lebe mit meinem Freund zusammen.“ Das hätte ich ihm echt nicht zugetraut, dass er so treu ist. Ich wüsste nicht, ob ich selbst ein entsprechendes Angebot eines attraktiven Mannes ausgeschlagen hätte. So versuchte ich es noch einmal: „Wir können uns ja heimlich treffen“, schlug ich vor. – „Das ist nicht mein Ding!“. „Aber ich finde dich so geil“, hakte ich nach. Daraufhin sperrte er mein "Marc25"-Profil.
Ausgerechnet als ich vergeblich versuchte, ihm eine neue Message zuzusenden, überraschte mich mein Freund hinter dem Rechner. „Ach, Du bist jetzt auch bei gayromeo?“, wunderte er sich. „Dann verrat mir doch mal deinen Profilnamen, dann können wir uns verlinken.“
„Äh, ich, äh, ich schick Dir eine Message“, stotterte ich. Seitdem war ich nie wieder online.