Dieser rapide Wandel im schwulen Dating-Verhalten stellt für die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfen im Bereich der mannmännlichen Sexualität (MMS) eine hohe Herausforderung dar. Mit dem Projekt der „virtuellen Herzenslustarbeit“ möchte die AIDS-Hilfe NRW e.V. hier innovative neue Wege aufzeigen.
Seit nunmehr 10 Jahren klärt Herzenslust erfolgreich in der schwulen Szene über Safer Sex und HIV sowie sexuell-übertragbare Krankheiten (STD) auf. Mit Präventionsteams, Aktionen und Präsenz in der Szene erinnert Herzenslust an die Risiken und regt die persönliche Auseinandersetzung mit HIV/AIDS vor Ort an. Herzenslust-Koordinator Reinhard Klenke: „Wir müssen die Männer dort erreichen und abholen, wo sie Sex-Dates suchen, hier an Safer Sex erinnern und ihnen die Möglichkeit geben, für sich bewusste Risikoentscheidungen treffen zu können“.
Erster Schritt der „virtuellen Herzenslust-Arbeit“ war eine Bestandsaufnahme über die Kontaktmöglichkeiten sowie die Informationen und den Umgang mit HIV, AIDS und STD im Internet.
„Die Erhebung zeigt, dass das Internet von einem Großteil der sexuell aktiven schwulen Männer als Ergänzung für Ihre Suche nach Sexkontakten genutzt wird. Gleichzeitig findet man eine große Fülle an Informationen zu HIV, AIDS und Safer Sex. Es fehlt aber komplett die Verzahnung. Bei der Suche nach Sexkontakten werde ich mit HIV und AIDS quasi nicht konfrontiert. Die Erfahrung der Herzenslust-Arbeit zeigt aber gerade, dass die direkte Ansprache und Auseinandersetzung im konkreten Datingprozess effektiv und wichtig für das Safer-Sex-Verhalten ist. Herzenslust-Aktionen und Kontakte sind daher in den Internetkontaktportalen ein wichtiger Beitrag für die Prävention.“ fasst Projektleiter Matthias Kuske ein wichtiges Ergebnis der Evaluation zusammen.
„Kondome können wir im Internet leider nicht verteilen. Hier benötigen wir neue, internetgerechte Formen der Präventionsarbeit. Wir müssen die Trennung von Informations- und Kontaktseiten aufheben und die Kommunikationshemmnisse rund um Safer Sex abbauen.“ so Matthias Kuske weiter. Konkret umgesetzt bedeutet dieses nun, ein Team, für die virtuelle Präventionsarbeit aufzubauen und in Kooperation mit den Internetanbietern Strategien und Umsetzungen einer Vor-Ort-Präventionsarbeit im Internet zu konzeptionieren.
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