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| BTX war eine Art interaktiver Videotext. Trotz der hohen Anschaffungskosten verfügten bis 1986 rund 50.000 Teilnehmer über BTX, Ende 1988 waren es bereits 150.000. Ab 1989 konnte der Dienst auch per Computer genutzt werden, was es neben der Möglichkeit, BTX über den Fernseher darzustellen, wesentlich einfacher machte, die Informationen abzurufen.Neben der „Killeranwendung“ Homebanking waren es vor allem die Kommunikationsangebote, die die Nutzer des Internet-Vorgängers sehr interessierten. Mit der Eingabe von *EDEN# und *ATLANTIS# landete man in den mythisch angehauchten Textchat-Systemen, die mit pixeligen Klötzchengrafiken verziert waren. Ganz so, wie man es auch heute kennt, konnte man sich einen Nickname aussuchen und ein Profil anlegen, und damit in unterschiedliche Räume abtauchen. Und traf dort plötzlich auf Schwule. Und das nicht zu knapp. Das Vorurteil von „Tunten und Technik“ greift offensichtlich immer dann nicht, wenn es neue Wege gibt, Kerle kennen zu lernen. Nachteil von Atlantis und Eden: Man war schnell fürchterlich pleite. Denn neben einer Zugangsgebühr dürfte man auch pro versandter Nachricht oder auch je Ansicht eines anderen Profils löhnen. Die 10, 20, 40-Pfennig-Beträge summierten sich flott. Das Wort Flatrate war damals noch nicht erfunden.
Noch bevor 1995 das WWW seinen Siegeszug in Deutschland antrat, machte dem BTX-System noch eine andere technische Plattform Konkurrenz: Die Mailbox-Netze. Privatleute installierten auf ihren Rechnern Mailbox-Software, und stellten diese der Allgemeinheit zum Abruf zur Verfügung. Die Einwahl erfolgte über einen direkten Anruf bei der Mailbox. Ein umständliches System: Mehr als eine Telefonleitung war zu Zeiten der staatlichen Post, die über das Telefonwesen wachte, selten möglich, zudem war es lange verboten, importierte Hardware wie Modems zu nutzen. Man musste auf teure Eigenlösungen der Post zurückgreifen, und wer an der Telefondose fummelte, machte sich strafbar. Die Einschränkungen bei der Erreichbarkeit wurden durch die Bildung von Netzwerken kompensiert, die nach vereinbarten technischen Standards die für alle zugänglichen Informationen auf mehrere Mailboxen verteilten.
Eines dieser Netze war das FidoNet. Und als Teil des FidoNets existierte das GayNet. Schwule und Lesben betrieben daheim Mailboxen, die Telefonnummern zur Einwahl verbreiteten sie über das Netz und die schwulen Medien. Bundesweite Termine, Kontaktsuchen und ein genereller Austausch von Infos über für alle offene Boards in simpler grafischer Gestaltung waren so möglich. Keine Frage, das war nichts für Anfänger, die technischen Hürden hoch, die Telefonkosten mitunter auch. Aber die Netzwerke, die dabei entstanden, waren oft auch sehr persönlicher Natur und weitaus verbindlicher als ein Austausch von sexuellen Fantasien á 20 Pfennig über Atlantis.
Die Mailbox-Szene gibt es mit der Durchsetzung des Internets nicht mehr, Ende 2001 wurde auch das BTX-System abgestellt.
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